Gemeinsam zum Erfolg: Hassans Berufsabschluss

Gemeinsam zum Erfolg: Hassans Berufsabschluss

von Susanne Felger, Asylkreis Roßdorf–Gundernhausen

Ende 2022 suchten wir hier, an dieser Stelle, eine Ausbildungsbegleitung für Hassan (31). Er war 22-jährig aus Somalia geflohen, hatte hier den Haupt­schulabschluss gemacht und gerade seine Wunsch-Ausbildung als Gärtner, Fachrichtung Gemüsebau begonnen. Trotz seiner bemerkenswerten Zielstrebigkeit, Motivation und Cle­verness war vor allem die theoretische Ausbildung (Berufsschule) eine enorme Herausforderung für ihn: Fachtexte lesen und schreiben, eine komplexe Fachkunde und Fachs­prache, lateinische Pflanzennamen plus Deutsch und Sozialkunde als weitere Prüfungsfächer.

Schnell meldete sich das Ehepaar Schumacher vom Stetteritz als Helfer. Obgleich beide nicht aus einem „Grünen Beruf“ kommen, nahmen sie die Herausforderung an.

Vielleicht war es gut, dass wir nicht wussten, was alles auf uns zukommt,

sagen sie im Rückblick lachend. Jedenfalls stimmte „die Chemie“ zwischen den dreien sofort. Susanne und Walter waren schnell beeindruckt von Hassans Engagement. Über die Jahre entwickelte sich eine echte Freundschaft, die heute Hassans Familie einschließt.

Im 1. Ausbildungsjahr 2–3 mal pro Woche, später wöchentlich, unterstützten die beiden das Lernen: Fachtexte erarbeiten, Berichte und Power Point-Präsentationen erstellen, auf Klassenarbeiten und Prüfungen vorbereiten. Wichtig war auch, sich mit seiner sehr enga­gierten Berufsschullehrerin eng abzustimmen. Der Asylkreis finanzierte Lernmaterial. Später stieß noch ein pensionierter Förster hinzu, der bei Fachkunde half.

Obwohl Hassan sehr interessiert bei der Sache war, erwies sich auch die praktische Ausbildung im Betrieb als herausfordernd: teils schlechte Ausbildungs­qualität, der Einsatz von Azubis als billige Arbeitskräfte sowie handfeste rassistische Ausgrenzung waren reale Probleme. Zweimal wechselte er den Betrieb und fuhr weit: nach Mainz, nach Büttelborn und im letzten Ausbildungsjahr nach Fulda. Große Gemüsebaubetriebe sind hier rar.

Super waren für mich die überbetrieblichen Lehr­gänge,

erzählt er. Z.B. in Erfurt habe er viel gelernt und andere Auszubildende kennengelernt. Auf Basis dieser Kontakte hat er sich zweimal neue Ausbildungsbetriebe gesucht. Trotz mancher Hürde lernte er viel über Anbau, Pflanzenschutz, Maschineneinsatz, Automatisierung und er machte den Traktorführerschein. Das 3. Ausbildungsjahr absolvierte er im Gartenbaubetrieb einer großen kath. Behinderteneinrichtung in Fulda: in Sachen Arbei­tsklima ein Glücksfall. Und weil er unter der Woche dort wohnte, hatte er abends viel Zeit zum Lernen – anders als Zuhause, wo der Familienalltag mit seinen drei Kindern auf ihn wartete. Die Abschlussprüfung im Sommer 2025 bestand Hassan mit gutem Ergebnis. Darauf sind die drei zu Recht mehr als stolz. Auch sie hätten eine Menge gelernt, betonen Susanne und Walter:

Die ganze Begleitung war echtes Gehirn-Jogging für uns.

Sie sind dankbar, Hassan kennengelernt zu haben und zu erleben, was jemand mit starker Motivation erreichen kann. Hassan sei ein toller Kerl. Dank seines Engagements sei ihr Einsatz auf fruchtbaren Boden gefallen. Auch Hassan bedankt sich herzlich bei allen Unterstützer*innen! Direkt nach der Abschlussprüfung begann er zu arbeiten. Das ist ihm ganz wichtig. Dafür fährt er aktuell zu einem Gemüsebaubetrieb nach Mannheim. In seiner knappen Freizeit produziert er wöchentliche Gemüsebau-Videos in seiner Muttersprache. Mit aktuell 1400 somalischen Followern diskutiert er, wie man deren Gemüsepflanzen gesund und ertragreich hält. Sein Wissen in Somalia zuteilen, liegt ihm sehr am Herzen.

Und Hassan sucht für seine 5-köpfige Familie eine neue Wohnung in Roßdorf und Umgebung: mind. 70–80 qm mit 3–4 Zimmern. Können Sie helfen? Wir freuen uns über jeden Tipp!